Die Messdiener

der

Katholischen Propsteigemeinde St. Remigius

 

 

Der  Dienst

an den Evangelienleuchtern

und am Vortragekreuz

Sinn und Vollzug

der liturgischen Dienste

 

 

von Kanonikus Ulrich Terlinden

Der Dienst an den Evangelienleuchtern

Der Kreuzträgerdienst

 

0.      Bedeutung

Zur Bedeutung der Kerzen in der Liturgie: siehe die Einleitung zum Dienst der Kerzenträger.

Für die Evangelienleuchter ist deren Ursprung interessant: Sie stammen aus dem Römischen Reich, waren damals Fackeln und wurden dem Kaiser und dessen höchsten Staatsbeamten vorausgetragen, wenn diese sich durch die Straßen bewegten. Das diente der Beleuchtung des Weges (es gab ja noch kein elektrisches Licht), aber auch der Ankündigung eines hohen Würdenträgers, dem man mit Ehrfurcht zu begegnen hatte.

Wenn wir mit den Evangelienleuchtern das Kreuz bei Ein- und Auszug begleiten und zur Verkündigung des Evangeliums leuchten, dann heißt das: „Nun kommt der König der Welt zu euch: Jesus Christus, unser Erlöser.“

Die Träger der Evangelienleuchter sind also nicht einfach „Dekoration“, sie verkündigen die Gegenwart Jesu: am Beginn und Ende der heiligen Feier, weil Jesus denen, die sich in Seinem Namen versammeln, Seine Gegenwart zugesagt hat („Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ Mt 18, 20), und zum Evangelium, in dem Er selbst zu uns spricht oder sonst irgendwie persönlich „auftritt“ und uns darin die Liebe des Vaters zeigt.

Das Kreuz ist das Zeichen Christi, das Zeichen unserer Erlösung. Am Kreuz hat Jesus Sein Blut vergossen „zur Vergebung der Sünden“, wie Er selbst gesagt hat. Auch wenn wir uns an den Anblick des Kreuzes gewöhnt haben: Es ist im wahrsten Sinne des Wortes merk-würdig, daß wir zu Beginn der liturgischen Feier mit dem Bild eines grausam Hingerichteten einziehen: Wir glauben an den Gott, der selbst diesen schmachvollen Tod nicht gescheut hat, um ganz einer von uns zu sein, um unsere Sünden auf sich zu nehmen. Schon der alttestamentliche Prophet Jesaja wußte, daß Gott uns auf diese Weise zu sich zurückholen würde: „Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt.“ (Jes 53, 5)

Der spätere römische Kaiser Konstantin sah nach einer Legende  vor der entscheidenenden Schlacht gegen Maxentius (312) in einer Vision ein Kreuz am Himmel mit der Inschrift: IN HOC SIGNO VINCES (In diesem Zeichen wirst du siegen). Konstantin hat – sollte die Legende stimmen – das sicher auf seinen militärischen Sieg bezogen. Gemeint aber ist: Wer an Jesus glaubt, wer Ihn liebt, wer nach Seinen Geboten lebt, der wird das ewige Leben gewinnen.

 

1.       Einsatz der Evangelienleuchter und des Kreuzträgers

Evangelienleuchter und Vortragekreuz gehören nicht zum Kern der liturgischen Dienste, zu denen man den Altar- und den Buchdienst zählt. Wie Weihrauch dienen sie der Verfeierlichung. Dennoch sind sie kein beliebiger Zusatz. Sicher kann man die Messe auch ohne sie feiern, aber sinnvoller ist es, das Kreuz und die Evangelienleuchter mitzunehmen, weil sie dem „Gebet des Herzens“ dienen (Gebet ist ja nicht nur Kopfsache). Je nach der Zahl der zur Verfügung stehenden Meßdiener kann man die Feierlichkeit stufen. Die erste Stufe über der „Grundbesatzung“ von Altar- und Buchdienst ist der Einsatz von Evangelienleuchtern, die zweite Kreuz, die dritte Weihrauch, die vierte Fähnchen (ab der fünften ist Phantasie gefragt).

 

2.      Orte, Haltungen

Die Evangelienleuchter trägt man mit der Außenhand (das ist die dem Partner abgewandte) oben am Schaft des Leuchters. Die Fingerspitzen der freien Hand legt man gerade unter den Leuchterfuß.

Die Leuchter werden relativ hoch getragen: Tropfenteller etwa auf Schulterhöhe, wichtiger aber ist die gleiche Höhe beider Leuchter.

Die Leuchter stehen auf oder neben der Kredenz, wenn sie nicht gebraucht werden. Die Träger haben ihren Platz auf der – vom Chorraum aus gesehen – rechten Seite des Chorgestühls, und zwar in den beiden Stallen, die dem Altar am nächsten sind.

Das Vortragekreuz wird mit beiden Händen so vor der Brust getragen, daß das untere Ende des Stabes nicht die Beine des Trägers behindert. Dabei ist natürlich Vorsicht geboten: Türstürze, ewiges Licht, Adventskranz usw. sind zu schonen. Beim Stehen wird das Kreuz abgesetzt. Es ist darauf zu achten, daß der Kruzifixus gerade nach vorne schaut.

Bei der Liturgie steht das Kreuz in einem in den Boden des Chorraums eingelassenen Ständer. Der Kreuzträger sitzt in der vom Altar aus gesehen dritten Stalle neben den Evangelienleuchterträgern. Sollte ausnahmsweise ein Kreuzträger aber keine Evangelienleuchter da sein, sitzt der Kreuzträger in der ersten Stalle.

 

3.      Einzug

Beim Einzug gehen die Evangelienleuchter neben (eher leicht vor) dem Kreuz, soweit dieses mitgeführt wird und bilden so die „Kreuzgruppe“. Wenn kein Kreuz mitgeht, gehen sie vorne bzw. hinter dem Weihrauch. Wird ausnahmsweise einmal nur das Evangeliar (=Evangelienbuch) beim Einzug mitgenommen, aber kein Kreuz, dann gehen die Evanglienleuchter neben/vor dem Evangeliar.

An den Altarstufen gibt es zwei Möglichkeiten:

1.)    Geht das Kreuz mit, dann geht die Kreuzgruppe nach links vor die Bank, so daß die anderen vor ihnen an der Altarstufe stehen können. In diesem Fall machen die Leuchterträger mit dem Kreuzträger eine tiefe Kopfverneigung, wenn die anderen eine Kniebeuge machen. Die Bewegung aus dem Mittelgang vor die Bank erfolgt übrigens ausnahmsweise hintereinander (Leuchter – Kreuz – Leuchter), weil sie sonst zu künstlich wirken würde. Nach der Reverenz (=Kniebeuge oder Verneigung) geht die Kreuzgruppe hinter dem Tabernakel in den Chorraum und läuft in einem Bogen so zum Kreuzständer, daß der Kreuzträger mit dem Gesicht zum Volk, die Leuchterträger nach innen gedreht mit dem Gesicht zum Kreuz stehen. Das Kreuz wird abgestellt, alle drei machen eine tiefe Kopfverneigung zum Kreuz. Dann geht der Kreuzträger in die vom Altar aus gesehen dritte Stalle in der hinteren Reihe des nördlichen Chorgestühls. Die Leuchter werden auf oder neben der Kredenz abgestellt, worauf die Leuchterträger auf ihre Plätze gehen (die ersten beiden Stallen neben dem Kreuzträger).

2.)    Wenn kein Kreuz mitgeht, gehen die Leuchterträger an der Spitze der Prozession und teilen sich an den Altarstufen, so daß die Gruppe zur Kniebeuge von ihnen flankiert wird. In diesem Falle machen sie die Kniebeuge mit (Kerzen gerade halten!). Der linke Leuchterträger tritt nach der Kniebeuge einen Schritt zurück und dreht sich nach links. Der rechte geht an den Stufen entlang nach links. Sobald er seinen Partner erreicht hat, gehen sie nebeneinander zur Kredenz, stellen die Leuchter darauf oder daneben ab und gehen auf ihre Plätze.

 

4.      Wortgottesdienst

Zum Evangelium: Ist die (ggf. zweite) Lesung vorbei und wird der Ruf vor dem Evangelium intoniert (das ist im Normalfall das Halleluja, in der Fastenzeit „Lob sei dir Herr, König der ewigen Herrlichkeit“ o.ä.) holen die Leuchterträger die Evangelienleuchter und stellen sich, sobald alle aufstehen, am Steinring um den Altar zwischen Altar und Priestersitz in gerader Verlängerung der Altarkanten mit dem Gesicht zum Volk auf. Der Diakon/Priester tritt in ihre Mitte. Alle drei verneigen sich, die Leuchterträger gehen (vor dem Diakon/Priester) über die Stufen hinter dem Ambo, um sich links und rechts vom Ambo mit dem Gesicht zueinander aufzustellen. Dabei ist darauf zu achten, daß die Schultern in einer Linie bleiben, so daß der linke Leuchterträger um den Ambo herumgeht und sich in der gleichen Drehrichtung seinem Partner zuwendet. Die Leuchter hält man in der Hand zum Volk hin. Wenn möglich stehen beide auf der Stufe. Sollte dort etwas im Weg sein, stehen beide vor der Stufe.

Nach dem Evangelium gehen beide den gleichen Weg zurück, Verneigung zum Altar (ggf. mit dem Diakon/Priester, falls dieser nicht zur Predigt am Ambo bleibt), Kerzen wegbringen und auf die Plätze gehen.

 

5.      Eucharistisches Hochgebet

Das eucharistische Hochgebet feiern die Träger von Kreuz und Evangelienleuchtern im Chorgestühl mit. Nach dem Vaterunser treten sie mit den Altar- und Buchdienern zum Friedensgruß an den Altar (den Steinring entlang aufstellen, am Teppich zwischen Altar und Priestersitz beginnend).

 

 

 

6.      Kommunion und Dankgebet

Hier empfangen und geben sie sich den Friedensgruß (Antwort: „Und mit deinem Geiste“, möglich ist auch „Und mit Dir.“), empfangen die Kommunion und gehen, wenn die Kommunionausteilung an das Volk beginnt, zum persönlichen Gebet (knien) auf ihre Plätze.

 

7.      Auszug

1.      Mit Kreuz: Zum Publicandum (oder wenn es kein Publicandum gibt, nach dem Abräumen des Altares) holen Leuchter- und Kreuzträger das Kreuz, indem sie sich wie beim Abstellen des Kreuzes aufstellen, sich zum Kreuz verneigen und, nachdem der Kreuzträger das Kreuz aus dem Ständer genommen hat, auf gewohntem Weg in den Mittelgang gehen. Auf Höhe der dritten Bank drehen sie sich zum Altar (ggf. Weihrauch durchlassen!). Zur Kniebeuge der anderen verneigen sie sich, drehen sich um und ziehen in gewohnter Weise aus.

2.      Ohne Kreuz: Die Leuchterträger gehen nach der Entlassung („Gehet hin in Frieden“) mit den anderen nach unten, nehmen die Leuchter mit und stellen sich zur Kniebeuge außen auf. Nach der Kniebeuge gehen sie als erste in den Mittelgang, so daß sie die Prozession anführen.