Die Messdiener

der

Katholischen Propsteigemeinde St. Remigius

 

 

Grundsätze des Ministrierens

und

Kleines liturgisches Lexikon

 

 

 


Sinn und Vollzug

der liturgischen Dienste

 

 

von Kanonikus Ulrich Terlinden


Grundsätze des Ministrierens

 

1.       Was ist Liturgie?

Die heilige Messe und auch die anderen Formen des Gottesdienstes (z.B. die Vesper) sind „Liturgie“ (griechisch: λειτουργία/leiturgía), zu deutsch „öffentliches Werk“ oder „Werk des Volkes“. Das heißt: Das Volk Gottes tritt in der Liturgie öffentlich lobend, dankend und bittend vor Gott.

Leiturgía kann man aber auch mit „Werk (Gottes) am Volk“ übersetzen, weil Gott uns in ihr Sein Heil schenkt.

Wenn wir Christen zur Feier der Liturgie zusammenkommen, dann tun wir es aus Dankbarkeit über die Erlösung von Tod und Sünde durch Jesus Christus und im Auftrag des Herrn, der uns in der Taufe zu einem neuen, heiligen Volk gemacht hat.

Dieses Volk braucht keine Mittler (=Priester), die für das Volk mit einem Opfer vor Gott treten, wie das z.B. bei den Juden, aber auch bei unseren germanischen Vorfahren üblich war, sondern einziger Mittler und zugleich einziges Opfer ist Jesus Christus, durch den Gott uns erlöst hat. Unser Dienst ist der Dank für diese Erlösung. In diesem Dank (griechisch: eucharistía) nehmen wir Teil am Kreuzesopfer Christi, vor allem, weil Er uns Seinen Leib (und sein Blut) als Speise (und Trank) schenkt, sodaß wir eins werden mit Ihm.

Durch diese Teilnahme am Erlösungsopfer macht Jesus sich eins mit uns (Communio=Vereinigung). Daher sind wir Christen – wie Er – zur Heiligung der Welt da: dazu, Gott zu den Menschen zu bringen (durch Erzählen und christliches Leben) und für die Menschen (auch für die, die nicht an Gott glauben können,) zu beten. So sind wir Christen die Mittler zwischen Gott und Welt, das heißt „Priester“. Das meint der heilige Apostel Petrus, wenn er in seinem ersten Brief schreibt: „Laßt euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen. [...] Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“ (1Petr 2,5-9)

 

2.      Warum gibt es in der Kirche Priester?

Jesus beauftragte Seine zwölf Apostel beim Letzten Abendmahl, dieses Mahl, in dem Er selbst die Speise ist, immer wieder zu Seinem Gedächtnis zu feiern. Und von den ersten Christen erzählt die Apostelgeschichte: „Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten.“ (Apg 2, 42) Das ist bis heute so.

„Brechen des Brotes“ ist der älteste Ausdruck für die Feier der heiligen Messe. Die Apostel haben diese Feier im Namen Jesu geleitet, heute tun das die Bischöfe, die Nachfolger der Apostel, und – von den Bischöfen dazu beauftragt und geweiht – die Priester.

„Priester“ im christlichen Sinn ist nicht das, was ein Priester der alten Religionen war, also ein Mittler, ohne den es keinen Kontakt zu Gott gäbe (vgl. Abschnitt 1). Der heidnische Priester heißt auf Griechisch „ιερεύς/hiereús“, auf lateinisch „sacérdos“, was soviel bedeutet, daß er das Heilige tut, ja, der Heilige ist. In diesem Sinne sind alle Christen Priester. Der christliche Priester („Priester“ kommt vom griechischen „πρεσβύτερος/presbýteros“ und heißt „Ältester“) ist ein von Gott und dem Bischof gerufener und geweihter Christ, der dem Leben und dem Beten des christlichen Volkes dient, indem er es leitet.

Es gibt keine Meßfeier ohne Bischof oder Priester, weil nur die Weihe die Vollmacht im Sinne Jesu („Tut dies zu meinem Gedächtnis!“) zur Wandlung von Brot und Wein erteilt. Diese Weihe durch Handauflegung und Gebet läßt sich in einer Reihe der Bischöfe durch die Jahrhunderte zurückverfolgen bis zu den Aposteln. Man nennt diese Reihe der Handauflegungen im Sinn und Auftrag Jesu „apostolische Sukzession“.

 


3.      Warum gibt es Meßdiener?

„Ministrant“ (ministrare=dienen; ministrans=Dienender) heißt der Meßdiener offiziell. Ein anderes Wort ist Akolyth/Akoluth, was Gefolgsmann/-frau heißt. Damit ist schon gesagt, wozu die Meßdiener da sind: Zum Dienen und zum Folgen.

Dienen: Die Ministranten dienen Gott und der Kirche/der Gemeinde. Sie helfen dem Priester, der im Namen der Kirche der liturgischen Feier vorsteht, die Gebete vorträgt und das Opfer Christi feiert. Die Meßdiener helfen bei diesem heiligen Tun, ja sie sind selbst ein wichtiger Teil dieses Tuns. Sie vertreten die Gemeinde am Altar.

Bei diesem Dienst geht es nicht nur um technische Handreichungen. Vieles, was die Ministranten an Diensten versehen, könnte – technisch gesehen – genau so gut wegfallen: Der Priester könnte beim Tagesgebet das Meßbuch selbst halten, oder der Küster könnte die Gaben sofort auf den Altar stellen. Der Ministrantendienst macht etwas deutlich: Das Tagesgebet ist nicht Privatsache des Priesters, es ist Gebet der ganzen Kirche. Die Gabenbereitung ist ein Tun aller Gläubigen: Mit Brot und Wein bringen wir alle etwas zum Altar; unsere Gaben, unsere Freude, unsere Angst und Not und die anderer Menschen, für die wir beten, damit Gott alles verwandle in Sein göttliches Leben.

So dienen die Ministranten auch Gott: Sie machen sichtbar, daß Er für uns da ist, daß Er uns zu sich ruft, in Seiner Nähe haben will. Das macht der Dienst am Altar besonders gut deutlich.

Die Meßdiener machen die Liturgie feierlich. Was wäre eine Christmette oder auch „nur“ eine normale Sonntagsmesse ohne Meßdiener! Indem sie ihren Beitrag leisten zu einer festlichen Liturgie, loben sie Gott und dienen Ihm. Außerdem helfen sie den anderen Gläubigen beim Beten, wenn diese sehen, daß die Ministranten ihren Dienst in Freude und Ehrfurcht vollziehen.

Folgen: Die Meßdiener sind, wie alle anderen Christen auch, Gefolgsleute Jesu. Sie stellen diese Nachfolgen in der Liturgie dar: indem sie bei Ein- und Auszug dem Kreuz folgen, aber auch in allen Diensten, die sie vollziehen, im Hören auf Gottes Wort (Was wäre ein Gefolgsmann, der nicht auf seinen Herrn hört!), in der Freude und der Ehrfurcht bei der Mitfeier.

Das Folgen beginnt nicht mit dem Anfang der liturgischen Feier und hört mit ihrem Ende nicht auf: Die Meßfeier ist der Höhepunkt unseres christlichen Lebens, aber nicht das einzig Christliche, das wir im Laufe einer Woche tun. Jesus folgen – das heißt: leben, wie Er es gesagt und es uns vorgelebt hat: leben im Gebet, also in der Beziehung zu Gott, leben in der Bereitschaft zur Vergebung und in der Liebe zu allen Menschen. (Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.“ Joh 13, 34f)

 


4.      Das Wichtigste: Die innere Haltung

Damit ist schon deutlich, daß die Liturgie (und damit auch der Ministrantendienst) kein „Job“, kein Schauspiel sein darf, das mit unserem sonstigen Leben nichts zu tun hat. Wenn die Liturgie eingebettet ist in unser Leben, wenn ich auch sonst mit Gott spreche und mich bemühe, nach Seinem Willen zu leben, dann wird mir die liturgische Feier – auch wenn mir manches fremd ist – aus dem Herzen sprechen.

Das Unverständliche und Fremde hängt oft mit der 2000jährigen Geschichte unserer Kirche zusammen: Unser Glaube und seine Formen sind nicht selbstgemacht, sie sind von den Christen, die vor uns gelebt haben an uns vererbt worden. Es ist eine spannende Sache, sich dieses Unbekannte zu erobern und zu eigen zu machen – dann wird es mir auf einmal wichtig und unverzichtbar.

Mit dieser Haltung werde ich die Liturgie auch äußerlich anders mitfeiern. Ich bekomme dann einen inneren Bezug zu Haltungen, Gesten, Gesängen, Geräten usw..

 

 

5.      Äußere Haltungen

a)      Der ganze Leib

Ich will Dir danken aus ganzem Herzen,

Dir vor den Engeln singen und spielen; 

ich will mich niederwerfen zu Deinem heiligen Tempel hin

und Deinem Namen danken für Deine Huld und Treue.

Denn Du hast die Worte meines Mundes gehört,

Deinen Namen und Dein Wort über alles verherrlicht.

(Ps 138, 1f)

Der ganze Leib betet. Das kann man an einem einfachen Beispiel verdeutlichen: Setzt euch mal möglichst lässig hin und sagt: „Gott, ich liebe dich“ – und dann stellt euch hin, breitet die Arme nach oben hin aus, hebt leicht den Kopf, schaut auf das Kreuz und sagt dasselbe. Merkt Ihr den Unterschied? Noch einmal kann man einen Unterschied merken, wenn man dasselbe Gebet spricht oder singt (z.B. „Großer Gott, wir loben Dich!“)

 

b)      Der Rumpf, die Brust, das Herz

Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht.

Der Mensch sieht, was vor den Augen ist,

der Herr aber sieht das Herz.

(1Sam 16, 7)

Der Rumpf unseres Körpers ist seine Mitte. In ihm spüren wir freudiges Kribbeln, Glücksgefühle und auch beklemmende Angst. Der Rumpf birgt unser Herz, das nicht nur Blutpumpe, sondern Mitte des Menschen ist; es pocht heftig, wenn wir uns freuen oder aufgeregt sind.

Der Apostel Johannes lag beim Letzten Abendmahl an der Brust Jesu (Joh 13, 25; vgl. Joh 21, 20) – ein Zeichen besonderer Nähe und Liebe: Dieser Jünger war besonders nah am Herzen Jesu.

In der Liturgie sollte der Rumpf gerade, aber nicht überspannt sein. Vor der Mitte der Brust (Herzhöhe) faltet man die Hände. Wenn man in einer Hand etwas zu tragen hat, legt man die freie Hand flach auf die Brust. Diese Gesten dienen der inneren Sammlung.

Beim Schuldbekenntnis schlägt man sich mit der Faust dreimal an die Brust – „Ich selbst bin es, der schuldig geworden ist, nicht nur die anderen oder die Umstände oder der schlechte Einfluß ...“ (vgl. Lk 18, 13: Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig!)

Manche Mitfeiernde schlagen sich auch nach dem „Seht das Lamm Gottes“ vor der Kommunion an die Brust. Das soll bedeuten: Daß ich in diesem Stück Brot Jesus erkennen darf, der für meine Sünden gestorben ist, daß ist mir nicht egal, das geht mein Innerstes an. (Vgl. Lk 23, 47f: Als der Hauptmann sah, was geschehen war, pries er Gott und sagte: Das war wirklich ein gerechter Mensch. Und alle, die zu diesem Schauspiel herbeigeströmt waren und sahen, was sich ereignet hatte, schlugen sich an die Brust und gingen betroffen weg.)

 

c)      Der Kopf

Du salbst mein Haupt mit Öl.

(Ps 23, 5)

Der Kopf ist die „Krone“ unseres Leibes, er beherbergt unsere wichtigsten Sinnesorgane: Augen Ohren, Nase, Geschmackssinn. Der Kopf ist mit Ohren Augen und Mund Kommunikationszentrum des Menschen. Das Gehirn ist Sitz von Persönlichkeit und Intelligenz, die Zentrale unseres körperlichen und psychischen Lebens.

Unser Gesicht ist Ausdruck unserer Persönlichkeit und unserer Stimmung. Die Augen heißen auch „Fenster zur Seele.“

Den Kopf hängen lassen, die Nase hoch tragen, „Kopf hoch!“ – in diesen Redeweisen wird deutlich, was der Kopf über unser Inneres sagt.

So ist eine aufrechte Kopfhaltung in der Liturgie Zeichen für Freiheit und Würde des Christen. Eine Verneigung mit dem Kopf erweist Ehrfurcht oder Achtung vor Gott oder dem Mitchristen.

 

d)      Die Hände

Ich breite die Hände aus zu Dir;

meine Seele dürstet nach Dir wie lechzendes Land.

Es komme über uns die Güte des Herrn, unsres Gottes.

Laß das Werk unsrer Hände gedeihen,

ja, laß gedeihen das Werk unsrer Hände!

(Ps 143,6; Ps 90, 17)

Die Geschicklichkeit seiner Hände unterscheidet den Menschen neben seiner Intelligenz wohl am meisten von den Tieren. Mit den Händen wird gearbeitet, werden Zärtlichkeit aber auch Brutalität ausgetauscht. Hände packen an und helfen. Hände schaffen Kunstwerke.

Zum Beten faltet man die Hände: Sie ruhen nun, der Mensch ist ganz bei sich, weil das Eigentliche nicht zu machen ist, sondern von Gott geschenkt wird.

Die ausgebreiteten Hände sind die alte christliche Gebetshaltung: Nach oben offen und zu einem Kreuz oder Altar oder nach Osten gewandt (die aufgehende Sonne ist Zeichen für den auferstandenen und wiederkommenden Christus) sind die Hände Zeichen dafür, daß wir alles von Gott erwarten – ähnlich einem kleinen Kind, das von seiner Mutter etwas haben oder auf den Arm genommen werden will.

Probiert dieses Beten mit offenen Händen einmal aus! Nachdem man sich daran gewöhnt hat, will man es gar nicht mehr lassen.

 

e)      Die Beine

Er sagte zu mir: Stell dich auf deine Füße, Menschensohn;

ich will mit dir reden.

(Ez 2,1)

Die Beine und Füße ermöglichen uns ein aufrechtes Stehen, das nur dem Menschen als Normalhaltung zu eigen ist, und die verschiedenen Weisen der Fortbewegung: vom Kriechen und Schleichen bis zum Rennen, vom Schlurfen bis zum Tanzen.

Die normale Haltung in der Liturgie ist das Stehen – nicht das Knien oder Sitzen, was ja auch denkbar wäre –, weil wir von  Gott erlöst sind und Ihm aufrecht als von Ihm geliebte Partner gegenübertreten dürfen. Früher gab es in den Kirchen keine Bänke!

 


6.      Tätigkeiten

a)      Stehen

Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her!

Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm:

Hab nur Mut, steh auf, Er ruft dich.

(Mk 10, 49)

Wenn man in der Liturgie steht, dann ist das mehr als ein zufälliges Sich-an-einem-Ort-befinden. Es ist ein bewußtes Dastehen vor Gott und den Brüdern und Schwestern. Und es ist als aufrechte Haltung ein Sich-Ausspannen zwischen Himmel und Erde.

Das Stehen ist die liturgische Grundhaltung, die Haltung von Freien und Erlösten, die sich zur Feier und Begegnung mit ihrem Herrn versammelt haben. Es ist auch Ausdruck der Achtung vor Gott.

Beim Stehen befinden sich die Füße leicht nach außen gedreht relativ eng beieinander, aber nicht in einem militärischen „Stillgestanden“, bei dem die Hacken sich berühren. Es ist also eine gespannte aber auch gelöste Haltung.

Der Körper ist über Wirbelsäule und Schultern bis zum Scheitel aufrecht. Dazu gehört ein gutes Körperbewußtsein, das weiß, daß der Körper der Ausdruck unserer Seele ist.

 

b)      Gehen

Ich freute mich, als man mir sagte:

„Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern.“ 

Schon stehen wir in deinen Toren, Jerusalem:

Jerusalem, du starke Stadt,

dicht gebaut und fest gefügt.

Dorthin ziehen die Stämme hinauf, die Stämme des Herrn,

wie es Israel geboten ist, den Namen des Herrn zu preisen.

(Ps 122, 1-4)

Die Fortbewegungsweise in der Liturgie ist das Schreiten. Das ist ein langsames, feierliches Gehen in gesammelter Haltung (d. h. mit gefalteten Händen, soweit man nichts trägt).

Es dient – neben der Fortbewegung – erstens dazu, daß man im Fortschreiten sozusagen bei sich bleibt, seine Situation, seine Stimmung, seine Gedanken wahrnimmt und „mitnimmt“, also innerlich nicht schon da ist, wohin man sich erst auf dem Weg befindet.

Zweitens hilft das Schreiten dabei, das Ziel des Gehens richtig wahrzunehmen: Es ist etwas anderes, ob ich zu Hause vom Wohnzimmertisch aufstehe, um aus der Küche etwas zum Knabbern zu holen, oder ob ich zur Feier der heiligen Messe zum Altar gehe.

 

c)      Knien

Dann entfernte Er sich von ihnen ungefähr einen Steinwurf weit,

kniete nieder und betete.

(Lk 22, 41)

Im Knien machen wir uns vor einem anderen klein und erkennen damit an, daß der andere größer, würdiger, mächtiger ist. Außerdem knien wir nieder, wenn wir jemanden inständig um etwas bitten oder ihm von ganzem Herzen danken.

In die christliche Liturgie hat das Knien erst spät Einzug gehalten, für das private Gebet ist es schon in der Bibel bezeugt.

Wir knien heutzutage vor allem beim eucharistischen Hochgebet, weil sich darin das Geheimnis der Wandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi ereignet. Wer vor einem solchen Geheimnis und Geschenk niederkniet, der sagt damit: „Mein Herr und mein Gott, ich kann es mit meinem kleinen Verstand nicht fassen, was hier geschieht, aber ich glaube und weiß, daß Du nun hier bist und Dich mir schenkst. Ich bete Dich an und danke Dir.“

 

d)      Liegen

Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor Ihm nieder.

(Mt 28, 17)

Am Karfreitag liegen die Priester, Diakone und Meßdiener zu Beginn der eindrucksvollen Karliturgie am Boden. Ohne Kreuzeichen, Kyrie, Gloria und sonstiges eröffnet der Zelebrant die Feier des Leidens und Sterbens Christi zur Sterbestunde Jesu (3 Uhr nachmittags) mit dem Tagesgebet.

Diese Form der Eröffnung ist wahrscheinlich die ursprüngliche der Meßfeier. Am Karfreitag hat sie sich erhalten.

Vor der Bischofs-, Priester- und Diakonenweihe liegen die Weihekandidaten zur Allerheiligenlitanei auf dem Boden. Das bedeutet: Gott muß es machen, was nun geschehen soll; es steht nicht in unserer Macht!

Probiert mal aus, wie es sich flach vor Gott ausgestreckt betet! Da liegt der kleine Mensch vor dem unendlichen Gott, der sogar seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, um uns aus Sünde und Tod zu retten.

 

e)       Verneigung und Kniebeuge

Kommt, laßt uns niederfallen, uns vor Ihm verneigen,

laßt uns niederknien vor dem Herrn, unserm Schöpfer!

(Ps 95, 6)

Nach dem, was über das Liegen und Knien gesagt worden ist, dürfte klar sein, was Verneigung und Kniebeuge sollen: Es sind „Kurzformen“ von Liegen und Knien.

Die Kniebeuge gilt als hierzulande stärkere Form des Erniedrigens und Anbetens dem Allerheiligsten, dem in Brot (und Wein) gegenwärtigen Herrn. Deshalb machen wir beim Betreten und Verlassen der Kirche eine Kniebeuge zum Tabernakel. In einer Kapelle ohne Tabernakel macht man eine Verneigung zum Altar.

In der Liturgie ist das Tabernakel „außer Konkurrenz“: Zwar ist Jesus dort gegenwärtig, aber die heilige Messe, die Feier Seines Kreuzesopfers ist wichtiger als die konsekrierten Hostien, die von der vorherigen Feier stammen und im Tabernakel aufbewahrt werden. So hat sich der Brauch eingespielt, daß man zu Beginn und am Ende der Meßfeier eine Kniebeuge zum Altar macht. Das Tabernakel ist auf den Altar hingeordnet; die Kniebeuge richtet sich also an Christus, der auf dem Altar gegenwärtig wird und im Tabernakel gegenwärtig ist.

Verläßt oder betritt man während der Messe die Kirche (z. B. zum Weihrauchholen) macht man eine Verneigung zum Altar, der Symbol für Christus ist.

Verläßt oder betritt man die Kirche allerdings nach der Wandlung und vor dem Abräumen des Altares nach der Kommunion (d.h. wenn das Allerheiligste auf dem Altar ist), so macht man eine Kniebeuge, ganz korrekt sogar eine doppelte Kniebeuge mit Verneigung zum Allerheiligsten auf dem Altar.

Kniebeuge: Man kniet mit dem rechten Knie neben der linken Hacke nieder. Dazu setzt man den rechten Fuß nach hinten. Der Oberkörper bleibt gerade und bildet mit dem rechten Oberschenkel eine Linie. Die Hände bleiben, wenn man sie frei hat, vor der Brust gefaltet. Das Aufstehen von der Kniebeuge erfolgt umgekehrt.

Doppelte Kniebeuge mit Verneigung (vor dem Allerheiligsten auf dem Altar): Man macht eine einfache Kniebeuge, zieht aber auch das linke Knie nach, so daß man mit beiden Knien auf dem Boden kniet. Dann verneigt man sich mit dem Kopf. Zum Aufstehen zieht man zuerst den linken Fuß vor, drückt sich hoch und zieht den rechen Fuß nach, so daß man wieder auf beiden Füßen steht.

Verneigung: Man unterscheidet Kopf-, Brust- und Rumpfverneigung. Die Kopfverneigung ist eine Ehrenbezeugung gegenüber Personen, so z.B. wenn man dem Priester das Meßbuch zum Tagesgebet gehalten oder wenn man etwas zum Altar gebracht hat. Mit diesem Zeichen erinnern wir uns daran, daß uns in unserem Nächsten Christus begegnet (Jesus sagt in Mt 25, 40: „Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“), besonders im geweihten Priester.

Die Brustverneigung ist eine Verehrung und Anbetung Gottes. Man macht sie, wenn man während der Messe die Kirche verläßt oder betritt (z.B. wenn man Weihrauch holt oder wegbringt), falls das Allerheiligste nicht auf dem Altar ist.

Zur Vorbereitung auf die Verkündigung des Evangeliums und auf das Hochgebet macht der Priester beim jeweiligen Vorbereitungsgebet eine Rumpfverneigung.

 

 

 

f)       Sitzen

Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte Seinen Worten zu.

(Lk 10, 39)

Das Sitzen ist die Haltung, in der wir am besten zuhören können.

Wenn wir in der Liturgie sitzen, wenden wir uns aufmerksam dem Wort Gottes zu und versuchen, Ihm in diesen Worten zu begegnen und darauf zu hören, was Er uns heute sagen will. Deshalb sollte man darauf achten, daß man auch im Sitzen die Spannung nicht verliert. Also soll der Oberkörper gerade bleiben. Übereinandergeschlagene Beine sind für Meßdiener im Dienst nicht angebracht (und auch sonst in der Liturgie „bedenklich“).

 

g)      Hören

Auf guten Boden ist der Samen bei denen gefallen,

die das Wort mit gutem und aufrichtigem Herzen hören,

daran festhalten und durch ihre Ausdauer Frucht bringen.

(Lk 8, 15)

Es gibt drei Arten des Hörens in der Liturgie:

1.) Hören auf Gottes Wort. Es dient nicht nur der Information über das, was in der Bibel steht (meistens kennt man die Texte ja schon), sondern soll dazu führen, daß der Hörer im heiligen Text Gott begegnet.

2.) Hören der persönlichen Worte des Priesters oder des Predigers. Sie sind nicht Gottes Wort, wollen aber eine Brücke zwischen unserem Alltag und dem Wort Gottes oder der liturgischen Feier schlagen. Während ich also beim Hören der Bibelworte betend fragen kann: „Gott, was sagst du mir in meiner Situation mit diesen Worten?“, kann ich die persönlichen Worte des Zelebranten oder Predigers eher als Anregungen für mein Leben und für mein Beten verstehen.

3.) Das mitbetende Hören. Das wird deutlich bei der Einladung zu Tages-, Gaben- und Schlußgebet: „Lasset uns beten!“, fordert der Priester auf. Ebenso heißt es zu Beginn des Hochgebets: „Lasset uns danken dem Herrn, unserm Gott!“ Die Gebete, die der Priester allein vorträgt, sind immer in Wir-Form gehalten. Es sind Gebet der ganzen Kirche, die der Priester im Namen aller singt oder spricht.

Das Hören in diesem Falle ist sehr anspruchsvoll: Es geht darum, das Gehörte zu verstehen, nachzuvollziehen (also zum eigenen Gebet zu machen) und zu bestätigen. Die Bestätigung erfolgt im „Amen“, das heißt: „Ja, so sei es: Dieses Gebet ist unser Gebet!“

 

h)      Singen/Sprechen

Ich will Deinen Namen meinen Brüdern verkünden,

inmitten der Gemeinde Dich preisen.

(Ps 22, 23)

„Amen“ – „Das ist würdig und Recht“ – „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir ...“ – das sind nicht einfach nur „Antworten“ der Gemeinde auf das, was der Priester sagt. Diese Worte und alles, was die Gemeinde sagt und singt, sind das Lob Gottes, zu dem wir zusammenkommen. Das Priestertum aller Gläubigen (siehe 1.) wird hier konkret. Die Lieder, Gesänge und Gebete der Gemeinde sind kein schmückendes Beiwerk, sondern in ihnen bringen alle Gläubigen ihr Herz, ihre Gebete vor Gott. Das mag auch einmal (bei Heiserkeit o.ä.) im Stillen gelingen. Aber im Normalfall gehört der Gesang und das gemeinsame Gebet aller – neben dem persönlichen, stillen Gebet – zur Liturgie dazu, nicht zuletzt deshalb, damit meine Schwestern und Brüder merken, daß ich nicht nur als Zuschauer hier bin, sondern als ein Mensch, der zu ihnen gehört, der mit ihnen glaubt und betet.

 


7.      Personen

Liturgie ist immer gemeinsames, öffentliches Tun. Deshalb spielen die Anderen nicht nur praktisch, sondern auch in einem tieferen Sinn eine wichtige Rolle für mein eigenes liturgisches Verhalten. Denn wir Christen sind ein heiliges Volk, eine Gemeinschaft, die erst durch Gott zu dieser Gemeinschaft geworden sind. Wir haben durch die Taufe und den Glauben Anteil am Leben Gottes – und wenn das bei mir so ist, dann können mir meine Brüder und  Schwestern im Glauben nicht gleichgültig sein. „Ein Christ ist kein Christ“, hat mal ein schlauer Mensch bemerkt – und das stimmt.

Da die Liturgie sozusagen die äußere Form unseres Glaubens ist, ist es wichtig, in ihr auf den Nächsten zu achten.

 

a)      Bischof, Priester, Diakon

Wer euch hört, der hört Mich, und wer euch ablehnt, der lehnt Mich ab;

wer aber Mich ablehnt, der lehnt den ab, der Mich gesandt hat.

(Lk 10,16)

Über die Herkunft und die Wichtigkeit der Amtsträger, die die Liturgie leiten, haben wir schon nachgedacht. Ohne Priester könnten wir das Sakrament des Altares, die heilige Messe, nicht feiern, könnten wir Jesus in der Kommunion nicht empfangen. Der Priester feiert als Vorsteher die Messe im Namen Jesu und im Auftrag des Bischofs, dessen Helfer, die Diakone, auch dem Priester zur Seite stehen. Ursprung dieser „Hierarchie“ (d.h. wörtlich: heiliger Ursprung, heilige Ordnung) sind die Worte Jesu: „Tut dies zu Meinem Gedächtnis!“ (Lk 22,19) und „Wer euch hört, hört Mich“ (Lk 10,16), die Er nicht zu allen seinen Jüngern gesagt hat, sondern nur zu besonderen Gesandten, den zwölf Aposteln, deren Nachfolger unsere Bischöfe sind, oder den Zweiundsiebzig, die er voraus sandte.

Wenn man sich also in der Liturgie vor den Geweihten verneigt, wenn sie in der Prozession hinten (das sind die vornehmsten Plätze) gehen usw., dann ist das nicht deshalb so, weil sie so tolle Menschen wären, weil sie ein besonderes Ansehen genössen oder weil sie in der Gemeinde mehr zu sagen haben als manch anderer, sondern einzig und allein deshalb, weil durch ihre Weihe, durch ihr Amt  Jesus zu uns kommt, zu uns spricht, sich uns schenkt.

 

b)      Mitmeßdiener

Kommt, laßt uns jubeln vor dem Herrn

und zujauchzen dem Felsen unsres Heiles!

Laßt uns mit Lob Seinem Angesicht nahen,

vor Ihm jauchzen mit Liedern!

(Ps 95,1f)

Die Meßdiener bilden untereinander eine Ordnung: Man hat in der Regel seinen Partner, man geht den Diensten nach geordnet, ja sogar die Größe spielt eine Rolle. Man dreht sich nach innen, also zum Mitmeßdiener hin, wenn man sich umdreht, die Kerzen werden in der Außenhand getragen usw.. Alles das dient dazu, daß die Mitmenschlichkeit, die in unserem Glauben eine äußerst wichtige Rolle spielt, auch in der Liturgie sichtbar wird. (Dreh dich mal von deinem Partner weg oder zu ihm hin: du spürst, was hier gemeint ist.)

Zwei Anmerkungen sind noch zu machen:

Weihrauch bleibt immer zusammen (auch wenn die anderen z.B. an den Altarstufen auseinandergehen). Die beiden Thurifer drehen sich „wie ein Mann“, d.h. ihre Schultern bleiben in einer Linie, damit das Faß immer rechts bleibt.

Wenn ein Meßdiener einzeln geht, weil von seinem Dienst (v.a. Ceroferare) eine ungerade Zahl da ist, geht er in der Mitte, und zwar, soweit noch andere von seinem Dienst mitgehen in der letzten Reihe zu dritt. Wenn dieser Meßdiener sich umdreht, kann er die Richtung wählen. Möchte er es ganz richtig machen, so gilt die Regel: Das Herz zuletzt vom Altar weg und zuerst zum Altar hin, d.h. sich nach rechts vom Altar weg-, nach links zum Altar hinwenden.

In der Regel geht man als Meßdiener paarweise nebeneinander. Dabei ist darauf zu achten, daß die Schultern eine Linie bilden. Das ist besonders beim Gehen über Stufen schwierig. Deshalb gilt die Regel: Vor den Stufen zusammenkommen, erst nach den Stufen trennen, Stufen immer „senkrecht“ gehen.

Geht man mit mehreren hintereinander, so ist der Abstand etwa eine Armlänge.

 

c)      Gemeinde/Volk

Sie werden Mein Volk sein, und Ich werde ihr Gott sein.

(Ez 14,11)

Die Gläubigen, die keine besondere Rolle in der Liturgie wahrnehmen nennt man „Volk“ oder „Gemeinde“. Der Begriff „Gemeinde“ ist etwas irreführend, denn zur Gemeinde gehören auch die Amtsträger, die Lektoren, die Kommunionhelfer und die Meßdiener. Das gilt auch für das Wort „Volk“, denn alle sind Mitglieder des heiligen Volkes.

Daran, daß es so schwierig ist, für die Mitfeiernden ohne besondere liturgische Aufgabe einen Begriff zu finden, sieht man, daß alle aktive Träger der Liturgie sind. Es gibt im christlichen Gottesdienst keine reinen Zuhörer oder Zuschauer; alle feiern die heilige Messe oder den Gottesdienst.

 

 

8.      Orte

a)      Die Kirche

Gott in Seinem Heiligtum ist voll Majestät, Israels Gott;

Seinem Volk verleiht Er Stärke und Kraft. Gepriesen sei Gott.

(Ps 68,36)

Die Kirche ist das Haus Gottes. „Kirche“ kommt vom griechischen „[SR1] κυριακή/kyriaké“ und heißt: „die zum Herrn (κύριος/kýrios) Gehörende“. Das bezeichnet sowohl die Gemeinschaft der Getauften als auch das Kirchengebäude. Hier begegnen wir Ihm in der Liturgie, in den Sakramenten, im Wort der Bibel, im persönlichen Gebet. „Zum Beten muß ich nicht in die Kirche gehen“, sagt mancher mit Recht. Und wir beten ja auch nicht nur in der Kirche. Doch es gibt für besondere Dinge besondere Orte: Wir kochen in der Küche, schlafen im Schlafzimmer, zum Essen haben wir oft sogar mehrerer Räume: die Küche für Werktags, das Wohn- oder sogar ein Eßzimmer für Sonn- und Feiertags. Zu besonderen Festen gehen manche ins Restaurant.

So ist es auch mit dem Beten: Das Kirchengebäude ist geweiht für die Begegnung mit Gott. Stell Dir mal vor, in der Kirche würde man Kaffee trinken oder Sport treiben (manche Menschen haben das Gespür für diesen heiligen Raum leider verloren): Du spürst, daß sie dazu nicht gemacht ist.

In der Kirche triffst Du auch außerhalb von Gottesdiensten immer wieder Menschen, die gekommen sind, um hier zu beten, um Gott oder Maria oder einem anderen Heiligen ihre Freude oder ihre Not zu sagen, um eine Kerze anzuzünden oder einfach nur, um Stille zu finden.

Die Kirche ist vom Bischof zur Kirche geweiht: An zwölf Stellen (zwölf Apostel) wurden die Wände mit Chrisam gesalbt, dazu der Altar an fünf Stellen. „Geweiht“ bedeutet: herausgenommen aus dem weltlichen Gebrauch, ganz hingeordnet auf Gott, auf die Begegnung mit Ihm.

Deshalb ist die Kirche auch das Haus der Gemeinde, der „Kirche“ eben. Sie ist ihr „Bethaus“. Die Gemeinde der Christen ist eine heilige Versammlung, weil sie von Gott gerufen ist (griechisch und lateinisch heißt „Kirche“ übrigens „ecclesia“, die „Herausgerufene“), und Ihm immer wieder begegnen will, bis sie im Himmel in der ewigen Gemeinschaft mit Ihm vereint ist.

 

b)      Der Altar

So will ich zum Altar Gottes treten, zum Gott meiner Freude.

(Ps 43,4)

Der Altar ist der Ort, an dem in der Meßfeier Jesus und Sein Kreuzesopfer gegenwärtig wird. Im Hochgebet erinnern wir uns an das viele Gute, das Gott Seinem Volk Israel und uns allen getan hat, besonders und unübertreffbar in Seinem Sohn Jesus Christus. Wir bitten um den Heiligen Geist, damit Brot und Wein zur Leib und Blut Jesu werden, dessen Worte aus dem Letzten Abendmahl („Das ist Mein Leib“, „Das ist Mein Blut“) den Höhepunkt des Hochgebetes bilden.

Weil dieses Unfaßbare auf dem Altar geschieht, ist er ein Ort der Begegnung mit Christus. Wenn heute viele Christen vor dem Tabernakel knien, wenn sie in der Kirche beten, so lagen sie früher zum Gebet vor dem Altar.

Der Altar ist vom Bischof geweiht; er ist an fünf Stellen mit Chrisam gesalbt – entsprechend den fünf Wunden Jesu am Kreuz: Kopf (Dornenkrone), linke Hand, rechte Hand, Füße (zählen als eine Wunde), und Seite, die der römische Hauptmann Longínus mit der Lanze durchstieß. Das macht den Altar zum Symbol für Christus.

Außerdem birgt der Altar Reliquien (Knochen) von Martyrern, also von Christen, die wegen unseres Glaubens umgebracht worden sind. Sie sind nun bei Gott, und auch so verbindet uns der Altar mit dem Himmel. (Vgl. Offb 6,9: Als das Lamm das fünfte Siegel öffnete, sah ich unter dem Altar die Seelen aller, die hingeschlachtet worden waren wegen des Wortes Gottes und wegen des Zeugnisses, das sie abgelegt hatten.)

 

 

c)      Der Ambo

Ich will hören, was Gott redet:

Frieden verkündet der Herr Seinem Volk

und Seinen Frommen, den Menschen mit redlichem Herzen. [Empor!]

(Ps 85,9)

Der Ambo ist der Ort, an dem das Wort Gottes verkündet und ausgelegt wird. „Ambo“ kommt vom griechischen „anabaíno/ambaíno“, „hinaufsteigen“. Die Ambonen (so heißt die Mehrzahl von Ambo) waren in den alten Kirchen immer erhöht – und auch in unserer Kirche steht er höher als der normale Fußboden – , das will den hohen Wert des Wortes Gottes symbolisieren.

Der Ambo ist zwar nicht geweiht. Aber dennoch ist er dem Wort Gottes zugeordnet und sollte nicht für anderes verwendet werden.

 

d)      Das Tabernakel

Und der, der auf dem Thron sitzt, wird Sein Zelt über ihnen aufschlagen. (Offb 7, 15)

Die konsekrierten (d.h. in den Leib Jesu verwandelten) Hostien, die nach der Kommunionausteilung übrigbleiben, werden im Tabernakel aufbewahrt für Kranke, die nicht zur Messe kommen können, denen die Priester, Diakone und andere Beauftragte die Kommunion bringen, und für die nächsten Meßfeiern, damit immer genug von der heiligen Kommunion da ist.

„Tabernaculum“ heißt „Zelt“. Hier „wohnt“ Jesus Christus unter den Menschen. Außerhalb der Meßfeier ist dies der Ort, an dem man Jesus am nächsten ist: Hier ist er wirklich da, verborgen im Brot, weil er uns Nahrung, „Lebensmittel“ sein will.

Deshalb brennt in der Nähe des Tabernakels das Ewige Licht, das sein Vorbild in der Feuersäule hat, in der Gott Sein Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat. (Der Herr zog vor ihnen her, bei Tag in einer Wolkensäule, um ihnen den Weg zu zeigen, bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten. So konnten sie Tag und Nacht unterwegs sein. Die Wolkensäule wich bei Tag nicht von der Spitze des Volkes, und die Feuersäule nicht bei Nacht. Ex 13, 21f)


9.      Materie

Materie sind die Dinge, die wir aus der „marteriellen Welt“, der sichtbaren Welt, die wir sehen, schmecken, riechen, fühlen können, herausnehmen, damit sie in der Liturgie zu heiligen Zeichen werden oder diesen dienen. Manche von diesen Dingen werden eigens für diesen Gebrauch im heiligen Dienst geweiht, das heißt: sie werden Gott geschenkt und sollen nun für nichts anderes mehr dienen: Aus einem Meßkelch trinkt man keine Cola! Es gibt eine Fülle von solchen Dingen in der Liturgie. Einige davon sind hier ausgewählt.

 

a)      Brot und Wein

Wie an Fett und Mark wird satt meine Seele, mit jubelnden Lippen soll mein Mund dich preisen. (Ps 62 (63), 6)

Brot steht für das „tägliche Brot“, das wir Menschen durch unsere Arbeit herstellen oder verdienen. Brot ist Grundnahrungsmittel und symbolisiert unseren Alltag und unsere Lebensgrundlage. Die von den verschiedenen Feldern geernteten und zusammengetragenen, das gemahlenen und gebackenen Körner stehen symbolisch für die vielen Menschen, die Gott zu dem einen Volk der Kirche vereint.

Jesus nahm beim Letzten Abendmahl Brot und machte es für uns zu Seinem Leib. Immer wenn wir die heilige Messe feiern, wird das Brot beim Hochgebet zum Leib Jesu: Gott verwandelt unseren Alltag in Sein göttliches Leben; Jesus ist unsere Lebensgrundlage.

Wein steht für das Fest. Wer Wein trinkt, genießt. Nur zum Löschen des Durstes trinkt man nicht dieses edle, kostbare Getränk. Wein symbolisiert alles Festliche, Schöne in unserem Leben, das, was wir genießen und feiern. Auch hier stehen die vielen Trauben, die zu einem Trank geworden sind, für die vielen Gläubigen in der Kirche, die durch das Blut Christi sozusagen zum Wein für die Welt werden: Zum Zeichen für das Fest, zu dem Gott alle Menschen ruft.

Jesus nahm beim Letzten Abendmahl den Kelch mit Wein und machte daraus Sein Blut. In der hl. Messe wird aus dem Wein das Blut Christi: Gott verwandelt unsere Freude in Sein göttliches Leben – alles Schöne ist aufgehoben und verwandelt in Seiner Ewigkeit.

 

b)      Wasser (Weihwasser)

Jesus antwortete: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen. (Joh 3,5)

In den Wein wird ein Tropfen Wasser gegeben. Er ist Zeichen für die Menschheit, die in Gott aufgeht; Gott ist so groß, daß Er unser Menschsein in Sein Leben hineinnehmen, daß Er uns „vergöttlichen“ kann, ohne daß dadurch Seine Gottheit kleiner würde.

Das Wasser spielt natürlich in der Taufe die entscheidende Rolle. Wir sind auf Christi Tod getauft, das heißt: das Übergießen mit Wasser ist ein Symbol für den Tod Christi (Begrabenwerden) und zugleich für Seine Auferstehung. Wer im Namen des Vaters und des Sohnes und den Heiligen Geistes getauft wird, der vollzieht den Tod und die Auferstehung Christi nach und hat so Teil an der Vergebung der Sünden, die Jesus uns durch Seinen Tod am Kreuz erwirkt hat, und an Seinem ewigen, göttlichen Leben, das Er uns durch Seine Auferstehung errungen hat.

Das Weihwasser (z.B. an den Portalen) erinnert die Eintretenden an ihre Taufe: Wir bekreuzigen uns mit dem Wasser, um so erneut Ja zu sagen zu unserer Taufe, um Gott dafür zu danken, daß wir durch die Taufe zu Christus und Seiner Kirche gehören dürfen und um Ihn um Seinen Segen zu bitten.

 

c)      Gold (siehe 10 a)

 

d)      Weihrauch (siehe 10 c)

 

e)      Leinen (siehe 11 a)


10.   Geräte

Vor der heiligen Messe stellt der Küster die heiligen Geräte auf die Kredenz (Gabentisch). Heilig sind die Geräte deshalb, weil sie für den Gebrauch in der Liturgie geweiht sind, also herausgenommen aus dem „normalen“ Alltag. Diese Geräte sind ganz für den Dienst vor Gott da. Sie sagen uns: Es ist wichtig für uns, daß wir uns bewußt machen, daß das, was Gott uns bereitet hat, wozu Er uns beruft, unser alltägliches Leben übersteigt. Auch in der Liturgie gibt es Essen und Trinken. Aber dieses Essen und Trinken ist etwas wesentlich anderes: Hier ist Gott selbst die Speise, hier vereinigt Er sich mit uns. Das ist ein Vorausbild dessen, was uns im Himmel bereitet ist.

 

a)      Kelch und Patene/Hostienschale

Ist der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi?

Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi?

(1Kor 10,16)

Die wichtigsten Geräte in der Liturgie sind Kelch und Hostienschale: In ihnen befinden sich Wein und Brot, die im Hochgebet zu Leib und Blut Jesu verwandelt werden. Deshalb sind sie (mindestens innen) aus einem edlen Material, meistens aus Gold. Denn das Allerheiligste, was es auf der Erde gibt – Leib und Blut Jesu –, ist uns Christen weit mehr wert als das kostbarste Material. Und wenigstens dieses kostbare Material soll dazu dienen, dieses Allerheiligste aufzunehmen.

 

b)      Wein- und Wasserkannen

Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Auch wer kein Geld hat, soll kommen. Kauft Getreide, und eßt, kommt und kauft ohne Geld, kauft Wein und Milch ohne Bezahlung!

(Jes 55,1)

Die Kännchen oder Kannen, in denen Wein und Wasser zur Gabenbereitung zum Altar gebracht werden, enthalten nichts Heiliges, daher sind sie schlicht gehalten. Manchmal sind sie, damit man besser erkennt, was sie enthalten, markiert: „V“ für „vinum“ = Wein; „A“ für „aqua“ = Wasser.

Wein als Gabe zur Gabenbereitung ist Zeichen für alles Festliche, Freudige unseres Lebens, für gelungenes Leben. Und deshalb ist der Wein zugleich Zeichen für das Leben Gottes, der das Leben selbst ist. Das Wasser bezeichnet die Alltäglichkeit unseres Lebens, auch das Schwere oder „Geschmacklose“.

Bei der Gabenbereitung betet der Priester/Diakon: „Wie sich das Wasser mit dem Wein verbindet zum heiligen Zeichen, so lasse uns dieser Kelch teilhaben an der Gottheit Christi, der unsere Menschennatur angenommen hat.“ Wein ist Zeichen des göttlichen Lebens, Wasser des menschlichen. Beides hat Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, in sich vereint. Wie der Wassertropfen in den Wein eingeht, so soll unser menschliches Leben ins Leben Gottes eingehen, in ihm verwandelt werden.

 

c)      Weihrauchfaß und -schiffchen

Alle trugen Harfen und goldene Schalen voll von Räucherwerk;

das sind die Gebete der Heiligen.

(Offb 5,8)

Weihrauch ist ein spezielles Harz von der Südküste der arabischen Halbinsel. Es ist das einzige Harz, das beim Verbrennen die Atemwege nicht reizt, sondern beruhigt. Sein edler Duft hat ihn schon früh zu einer kostbaren und begehrten Gabe gemacht, die bald nur Königen und dann der Verehrung von Göttern vorbehalten war.

Auch unsere jüdische Mutterreligion kannte den Weihrauch als kostbares Opfer im Tempel. Die Christen im römischen Reich weigerten sich, vor den heidnischen Götter- und Kaiserbildern (auch die Kaiser wurden als Götter verehrt!) Weihrauch zu opfern und wurden wegen dieser Weigerung umgebracht.

Im Neuen Testament kommt Weihrauch an zwei für unsere Liturgie bedeutsamen Stellen vor:

1.) Eine der Gaben der Weisen aus dem Morgenland war Weihrauch. Zu den Gaben der „heiligen drei Könige“ heißt es in einem Hymnus zum Fest der Erscheinung des Herrn: „Den König kündet an das Gold, / dem Gott steigt auf des Weihrauchs Duft, / doch weist voraus auf Tod und Grab / der Myrrhenkörner Bitterkeit.“ Der Weihrauch der drei Weisen ist ein Bekenntnis: Jesus ist Gott! Wer Weihrauch verbrennt, bekennt: Hier ist Gott.

2.) Im letzte Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, sieht der Seher in einer Vision: „Als es (das Lamm, d.h. Jesus) das Buch empfangen hatte, fielen die vier Lebewesen und die vierundzwanzig Ältesten vor dem Lamm nieder; alle trugen Harfen und goldene Schalen voll von Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen.“ (Offb 5,8) Weihrauch ist also sichtbares Gebet, so wie es in einem Vers aus dem Alten Testament heißt: Wie ein Rauchopfer steige mein Gebet vor Dir auf. (Ps 141, 2)

Weihrauch ist ein Harz. Man gewinnt ihn, indem man die Rinde des Weihrauchbaumes ritzt. Er kommt also aus einer Wunde; die Weihrauchkörner sind getrocknete „Tränen“ des Baumes. Wir können also beim Verbrennen des Weihrauchs auch an das denken, was uns verwundet oder traurig gemacht hat. Was nun passiert wird zum Zeichen: Er beginnt zu duften, wenn man ihn auf einer glühenden Kohle verbrennt. Unsere Traurigkeiten, die dunklen Momente unseres Lebens gewinnen ihrer Schönheit, wenn wir sie im Gebet zu Gott aufsteigen lassen, weil wir so den tieferen Sinn erkennen – leider ist das nicht immer so einfach, aber es ist besser, es zu versuchen als zu verzweifeln!

Das Weihrauchfaß enthält diese Kohle, das Schiffchen den Weihrauch. Der Dienst als Thurifer (Rauchträger) ist der vornehmste, den der Ministrantendienst zu bieten hat. Der Weihrauch geht immer vor dem (höchsten) Christuszeichen, d.h. im Normalfall vor dem Kreuz, in der Osternacht vor der Osterkerze (Zeichen des Auferstandenen), in einer Prozession mit dem Allerheiligsten vor diesem.

Die Thurifer nehmen in der liturgischen Ordnung eine Sonderrolle ein: Sie gehen immer nebeneinander, das Faß immer rechts, daher haben sie eine besondere Art, sich zu drehen, nämlich „wie ein Mann“. Bei einer Anbetung knien sie in der Nähe des vorstehenden Priesters/Diakons. Sie dürfen bei der Wandlung oder beim sakramentalen Segen selbst inzensieren (beweihräuchern), auch gehen sie räuchernd der Prozession voran.

 

d)      Leuchter und Kerzen

Ich bin das Licht der Welt. Wer Mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben.

(Joh 8,12)

Die Evangelienleuchter gehen beim Einzug neben, oder genauer: leicht vor dem Kreuz. Sie leuchten Christus voran, um anzuzeigen: Hier kommt das Licht der Welt.

Ihre Hauptaufgabe – neben Ein- und Auszug – ist das Leuchten zum Evangelium. Im Evangelium spricht oder handelt Christus selbst, weshalb dem Evangelium unter den Schriftlesungen in der Liturgie der höchste Rang zukommt. Um das sichtbar zu machen, stehen die Evangelienleuchter links und rechts vom Ambo – mit dem Gesicht zum Evangeliar.

Auch die anderen Kerzen (Ceroferare, Altarkerzen) sind Zeichen dafür, daß Gott das Licht ist, das die Dunkelheit unserer Traurigkeit, unsrer Sinnlosigkeit, unsrer Orientierungslosigkeit hell macht, weil Sein Sohn für uns gelitten hat, gestorben und auferstanden ist. Die Orte in der Kirche und die Teile der Liturgie, die das besonders deutlich machen, heben wir durch Kerzen hervor.

Die Kerzen, die wir in den Händen halten (z.B. in der Osternacht oder am Fest der Darstellung des Herrn (Mariae Lichtmeß)oder die wir vor dem Tabernakel, einem Kreuz oder einem Heiligenbild entzünden, sind Zeichen unseres Glaubens und unserer Hoffnung auf Christus (Vgl. Mt 25,1-13).

 


e)      Lavabogerät (Handwaschung)

Ich wasche meine Hände in Unschuld; ich umschreite, Herr, Deinen Altar, um laut Dein Lob zu verkünden und all Deine Wunder zu erzählen. (Ps 26,6f)

Die Handwaschung hat ihren Ursprung in dem altkirchlichen Brauch, daß zur Kollekte („collecta“ = „Sammlung“) Naturalien (Lebensmittel, Erntegaben) gebracht wurden. Die Priester, die diese Gaben entgegennahmen, mußten anschließend ihre Hände waschen, weil sie ja – spätestens zur Kommunionausteilung – das Allerheiligste anfassen mußten.

Auch wenn heute zur Kollekte nur noch Geld gespendet wird und die Sammlung von Kollektanten übernommen wird, ist die Handwaschung erhalten geblieben. Sie hat einen übertragenen Sinn erhalten: Der Priester betet zur Handwaschung: „Herr, wasche ab meine Schuld, von meinen Sünden mache mich rein!“ So ist das „Lavabo“ (lateinischer Anfang des Gebetes des Priesters) zu einer symbolischen Bitte geworden, daß Gott dem Priester seine Schuld vergeben möge, der nun mit der Gemeinde das heilige Opfer feiert. Denn Gott ist vollkommen, und wir Menschen erfahren immer wieder schmerzhaft, daß wir vor Gott, vor den anderen oder auch vor uns selbst schuldig werden. Deshalb ist es ein großes Geschenk Gottes, daß Er uns so etwas Heiliges wie die Liturgie der Messe in die Hand gibt. Und dieses Geschenk ruft uns zur Dankbarkeit und zu der Bitte um Vergebung unserer Schuld.

 

f)       Fahnen

Alle Israeliten sollen bei ihren Feldzeichen lagern, jede Großfamilie mit einer eigenen Fahne. Sie sollen rings um das Offenbarungszelt so lagern, daß es jeder vor sich hat. (Num 2,2)

In sehr feierlichen Gottesdiensten, vor allem in Prozessionsliturgien, führen wir Fahnen mit. Sie sind liturgisch gesehen das niedrigste Beiwerk, als letztes zur liturgischen Ausstattung dazugekommen, haben aber dennoch eine große Wirkung: Der wallende Stoff in seiner verschwenderischen Menge gibt feierlichen Liturgien einen festlichen Glanz, der an ritterliche Feste erinnert.

Fahnen geben der Liturgie „Farbe“, drücken aus, daß hier etwas ungemein Kostbares gefeiert wird, heben die Herzen der Mitfeiernden in Festtagsstimmung.

Oft sind auf den Fahnen Symbole zu sehen, die auf den Inhalt des Festes verweisen oder auf die Gruppe, die durch diese Fahne (dann ist es ein Banner) vertreten wird.

 

g)      Glocken und Schellen

Den Vorstehern der Leviten befahl David, sie sollten ihre Stammesbrüder, die Sänger, mit ihren Instrumenten, mit Harfen, Zithern und Zimbeln, aufstellen, damit sie zum Freudenjubel laut ihr Spiel ertönen ließen. Die Sänger Heman, Asaf und Etan schlugen die bronzenen Zimbeln. (1Chr 15,16.19)

Glocken und Schellen geben Signale in der Liturgie: Zu Messe, (Sonntags-)Vesper und anderen Gottesdiensten werden Glocken geläutet, um die Gläubigen zur Kirche zu rufen. Je nach dem, welche Glocken geläutet werden, kann man hören, ob ein Fest, ein normaler Sonntag, Werktag oder Bußzeit ist. Die Glocken haben Heiligennamen, so daß in manchen Gemeinden die Glocke am Fest ihres Heiligen eine besondere Rolle in der Läuteordnung bekommt.

Die Schellen der Ministranten werden zur Wandlung und bei Prozessionen mit dem Allerheiligsten geläutet, an Gründonnerstag und in der Osternacht schellt man auch zum Gloria. Oft wird auch zur Wandlung eine Glocke im Turm angeschlagen oder geläutet. Immer sind das Signale dafür, daß der lebendige Christus da ist und uns Sein Heil schenkt; dafür soll man durch das Schellenzeichen aufmerksam werden.

Die Glocken im Turm rufen dreimal am Tag mit dreimal drei Schlägen zum privaten Gebet, zum Angelus („Gotteslob“ Nr. 2,7, Seite 21), bzw. in der Osterzeit zum Regina caeli („Gotteslob“ Nr. 2,8, Seite 21).

Zwischen dem Gloria am Gründonnerstag und dem in der Osternacht schweigen die Glocken.

h)      Orgel

Lobt ihn mit dem Schall der Hörner, [...] lobt ihn mit Flöten und Saitenspiel! (Ps 150,3.4)

In der abendländischen Liturgie hat die Orgel ihren festen Platz – zur Begleitung des Gesangs von Gemeinde, Kantor, Schola und Chor, aber auch als solistisches Instrument. Die „Königin der Instrumente“ vermag wie kaum ein anders, unsere Seele in die rechte „Stimmung“ zu versetzen, um dem Herrn zu begegnen und Ihm zu lobsingen. Das hat viele Gründe – einer ist sicher ihr stehender Ton, der durch den Luftstrom in den Pfeifen solange klingt und unverändert bleibt, wie eine Taste gedrückt ist: Vielleicht erzeugt dieser Klang in uns ein Gefühl von Ewigkeit.

 

 

11.    Gewänder

Die Gewänder in der Liturgie heißen Paramente. „Parare“ heißt „bereiten“ und „mens“ ist der Geist. „Paramente“ sind also „Geistbereiter“: Diese Kleidung soll denen, die sie tragen helfen, in der richtigen Haltung in der Liturgie Gott zu dienen – und auch die, die sie sehen sollen die Paramente eine Hilfe sein, das Besondere, das in der Liturgie geschieht – und das ja unsichtbar ist – bewußt und dankbar mitzuvollziehen.

 

a)      Albe und Rochett

Da fragte mich einer der Ältesten: Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen? Ich erwiderte ihm: Mein Herr, das mußt du wissen. Und er sagte zu mir: Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht. Deshalb stehen sie vor dem Thron Gottes und dienen Ihm bei Tag und Nacht in Seinem Tempel; und der, der auf dem Thron sitzt, wird Sein Zelt über ihnen aufschlagen. Sie werden keinen Hunger und keinen Durst mehr leiden, und weder Sonnenglut noch irgendeine sengende Hitze wird auf ihnen lasten. Denn das Lamm in der Mitte vor dem Thron wird sie weiden und zu den Quellen führen, aus denen das Wasser des Lebens strömt, und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen. (Offb 7, 13-17)

Die Albe, das weiße Untergewand der Diakone, Priester und Bischöfe in der Meßfeier und das Rochett der Meßdiener und der anderen, die eine besondere Rolle in der Liturgie haben ist das Grundgewand aller Getauften: das Taufkleid. Weiß ist die Farbe des Lichtes, das Zeichen für das göttliche Leben ist.

Die Altarwäsche und die Grundkleidungsstücke der Liturgie, die weißen Untergewänder („Albe“, d.h. „Die Weiße“) des Bischofs, der Priester und Diakone und die Rochetts sind meistens aus Leinen, einem weißen, feinen und zugleich festen Stoff.

Leinen wird auf dem Altar ausgebreitet als Zeichen für unsere reinem feste Gesinnung, mit der wir zu Gott kommen und uns Ihm schenken wollen. In weißes Leiden gekleidet treten wir vor Gott – dürfen es wagen, weil Er uns gereinigt hat durch das Blut Seines Sohnes, also durch Seinen Tod, der uns von der Sünde befreit hat.

 

b)      Talar und Soutane

Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz. (1Sam 16,7)

Das schwarze oder farbige Untergewand hat liturgisch keine Bedeutung; es verdeckt die Straßenkleidung, ist aber auch ein geistliches Gewand, denn es versinnbildlicht, daß wir vor Gott gleich sind, ohne Ansehen der sozialen Stellung usw..

Wir sprechen bei der Soutane (Toga) des Priesters auch vom „geistlichen Gewand“ – und das gilt in einem gewissen Sinn auch für die Talare der Meßdiener. Dieses lange Kleid macht dem Träger deutlich, daß er nun etwas Nicht-Alltägliches, etwas Heiliges tut. Der Talar eignet sich nicht für etwas Hektisches, Schnelles; er hilft dem Träger, mit seinen Gedanken bei sich und bei Gott zu sein.

 

c)      Schultertuch

Herr, stell eine Wache vor meinen Mund,

eine Wehr vor das Tor meiner Lippen! (Ps 141,3)

Das Schultertuch (von Bischof, Priester und Diakon) umschließt den Hals. Damit bittet der Träger Gott darum, daß jedes Wort, das in der Liturgie seinen Mund verläßt, im Sinne Gottes – und nicht nur des Sprechers – erfolgen soll.

 

d)      Zingulum

So aber sollt ihr es essen: eure Hüften gegürtet, Schuhe an den Füßen, den Stab in der Hand. Eßt es hastig! Es ist die Paschafeier für den Herrn. (Ex 12,11)

Das Zingulum (deutsch: der Gürtel) erinnert daran, daß das Volk Israel das Paschamahl vor dem Auszug aus der ägyptischen Gefangenschaft gegürtet, das heißt, zum Aufbruch bereit, gegessen hat. Wenn der Priester der Liturgie gegürtet vorsteht, so ist das ein Zeichen dafür, daß wir Christen aufbruchbereit sind: Gott wird uns befreien aus allem Bedrängenden, wir halten uns für diese Befreiung bereit, die in der Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi schon geschehen und in der Liturgie neu gegenwärtig ist.

 

e)      Stola

Nehmt mein Joch auf euch und lernt von Mir; denn Ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn Mein Joch drückt nicht, und Meine Last ist leicht. (Mt 11, 29f)

Die Stola ist das Zeichen geweihter Amtsträger: der Diakone, Priester und Bischöfe. Wer die Stola trägt, handelt im Namen und Auftrag Christi und der Kirche. Entstanden aus dem jüdischen Gebetsschal Tallith, der für die Rabbiner schmaler war, wird sie als Bild für das leichte „Joch“ Jesu aufgefaßt, also die Verbindung mit Ihm im Gottes- und Menschendienst, in dem Er uns nahe ist und stärkt; wer sie trägt, hat sich von Jesus „einspannen“ lassen.

 

f)       Kasel (Meßgewand) und Dalmatik

Du umschließt mich von allen Seiten und legst Deine Hand auf mich. (Ps 139,5)

Das eigentliche Festgewand der Liturgie ist für den Bischof und den Priester die Kasel (Planeta), für den Diakon die Dalmatik. Die Kasel sagt durch ihre üppige Stoffmenge und ihre meist wertvolle Machart etwas über die Fülle des Lebens, die uns Gott verheißen hat, und an der wir in der Liturgie „vorauskostend“, also in Zeichen aber dennoch wirklich teilnehmen. Die Kasel umhüllt seinen Träger, verdeckt ihn geradezu: Seine Person tritt zurück hinter seiner Aufgabe und Rolle in der heiligen Feier, die er durch seine Weihe erhalten hat. Die Kasel symbolisiert auch die Liebe Gottes, die uns Menschen so umfängt wie die Kasel ihren Träger. „Casula“ heißt „Häuschen“: Wir wohnen in Gottes Liebe.

Die Dalmatik der Diakone ist weniger großzügig geschnitten. „Diákonos“ heißt „Diener“: Betrachtet man die Dalmatik näher, kann man sich mit etwas Phantasie vorstellen, daß sie sich aus einer Art Arbeitskittel oder -schürze entwickelt hat.


Kasel, Dalmatik und Stola haben im Kirchenjahr wechselnde Farben:

Weiß         für Feste und Festzeiten,

Violett       für die Vorbereitung auf große Feste (Bußzeiten),

Rosa          für die Sonntage nach der Mitte von Advent und Fastenzeit (Vorfreude),

Rot            für Karfreitag, Pfingsten und Martyrerfeste (Blut und Heiliger Geist),

Grün         für die „normale“ Zeit im Jahreskreis als Farbe der Hoffnung (übrigens war Grün früher die Farbe des Pfingstfestes, das so das ganze Jahr prägte),

Schwarz    für Totenmessen als Farbe der Trauer.

 

g)      Mitra und Stab

Sorgt als Hirten für die euch anvertraute Herde Gottes, nicht aus Zwang, sondern freiwillig, wie Gott es will; auch nicht aus Gewinnsucht, sondern aus Neigung; seid nicht Beherrscher eurer Gemeinden, sondern Vorbilder für die Herde! (1Petr 5,2f)

Mitra und Stab sind Zeichen des Bischofs und der Äbte (Klostervorsteher). Die Mitra ist die Kopfbedeckung der Bischöfe, wahrscheinlich ursprünglich nur die des Papstes. Sie hat ihren Ursprung wohl im jüdischen Tempel, in dem der Hohepriester zum Opfer eine ähnliche Kopfbedeckung trug.

Der Stab ist ein Hirten0zeichen: Die Krümme dient dem Hirten dazu, Schafe, die sich von der Herde zu trennen drohen, zurückzuholen. Ursprünglich Zeichen der Äbte, haben heute fast alle Bischöfe einen Stab als Zeichen dafür, daß sie für ihr Bistum sorgen wie ein Hirt für seine Herde. Der Papst hat übrigens als Bischof von Rom keinen Stab. Das Kreuz, das er neuerdings trägt, ist ein persönliches Andachtszeichen.


Kleines liturgisches Lexikon

 

Akolyth/Akoluth

von gr. akoluthos = nachfolgend, begleitend, Diener.

Offizielle Bezeichnung der Meßdiener, die die Evangelienleuchter tragen und die Gaben zum Altar bringen – oft meint man damit die Meßdiener allgemein.

 

Albe (die)

von lat. albus/-a/-um = weiß.

Weißes Grundgewand der Bischöfe, Priester und Diakone; das Rochett der Meßdiener ist eine Albe in abgewandelter Form, eigentlich ein Taufkleid.

 

Allerheiligstes

Ursprünglich der Teil des jüdischen Tempels, in dem die Bundeslade stand und den der Hohepriester nur einmal im Jahr zum Versöhnungstag betreten durfte. (2Chr 3,8-14, 2Chr 5,2-6,2 u.ö.)

Christlich ist damit der Leib (und das Blut) Christi in der Gestalt von Brot (und Wein) gemeint.

 

Altar

von lat. altus = hoch

In allen Religionen erhöhter Opfertisch, auf dem den Göttern die Opfer (meist Tiere oder andere Lebensmittel) dargebracht werden, indem man Teile von ihnen verbrennt. Der aufsteigende Rauch soll den Göttern gefallen und sie so bewegen, die Bitten des Volkes zu erhören und die Sünden zu vergeben.

Das vergossene Blut hatte dabei die Funktion, die Sünden der Menschen vor den Göttern auszulöschen.

Im Christentum ist der eigentliche Altar das Kreuz Christi oder Christus selbst: Durch Ihn sind wir mit Gott versöhnt und verbunden. Durch Sein Opfer am Kreuz sind alle anderen Opfer überflüssig: Was könnte ein größeres Opfer sein, als wenn der Sohn Gottes für uns stirbt?

Unsere christlichen Altäre sind dennoch Ort des Opfers: In jeder hl. Messe wird Christus und Sein Kreuzesopfer auf dem Altar in Brot und Wein gegenwärtig. Der Altar ist geweiht worden, indem der Bischof ihn an fünf Stellen (Zahl der Wunden Christi) mit Chrisam gesalbt und auf ihm Weihrauch verbrannt hat. So ist er zum Zeichen für Christus geworden: Heute beten wir, wenn wir privat in die Kirche kommen, vor dem Tabernakel; in den ersten tausend Jahren betete man vor dem Altar.

 

Altarmensa (→ Mensa)

 

Ambo (der)

von gr. anabáino = hinaufsteigen

(in der Regel erhöhter) Ort (Lesepult) zur Verkündigung und Auslegung des Wortes Gottes, auch für das österliche → Exultet

 

apostolisch

Attribut vom gr. Wort Apóstolos (Apostel) = Gesandter

Eines der vier Attribute unserer Kirche; im nizänokonstantinopolitanischen Credo bekennen wir: „Wir glauben an den Heiligen Geist [...] die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche [...]“ Das Wort „apostolisch“ bezieht sich auf die Apostel Jesu, auf deren Glauben die Kirche erbaut ist. Die katholischen Bischöfe, Priester und Diakone sind von Bischöfen geweiht, die wiederum in einer langen Reihe ihre Weihe auf die Apostel zurückführen. Diese Kette von Weihen durch Handauflegung und Gebet und der Glaube der Apostel der durch das Lehramt der Kirche bis heute in der katholischen und in den orthodoxen und altorientalischen Kirchen weitergegeben wird, heißt „apostolische Sukzession“.

 
Casel (→ Kasel)
 
Ceroferar (der)

von lat. cera = Wachs; ferre = tragen

(mindestens sechs) Kerzen-, Fackel- oder Stummelträger in feierlichen Hochämtern.

 

Chormantel (→ Pluviale)

 

Chorrock (→ Rochett)

 

Chrisam

(gr.) = Salböl

Öl, das am Gründonnerstagmorgen vom Bischof zusammen mit dem Katechumenen- und dem Krankenöl geweiht wird. Es wird bei Taufe, Firmung, Priester- und Bischofsweihe und bei der Weihe von Altären, Kirchen, Kelchen und Glocken gebraucht.

Von „Chrisam“ komtt „Christus“ (=der Gesalbte“) und „Christ“ (lat.: „christianus“ = „Christus ähnlich/gleich“)

 

Eucharistie, Eucharistiefeier

von gr. eucharistia = Danksagung

Die heilige Messe, Höchstform des christlichen Gottesdienstes, von Christus vor Seinem Tod und Seiner Auferstehung beim Letzten Abendmahl eingesetzt (zugleich Bezeichnung für den zweiten Teil der hl. Messe, den "Opfergottedienst“, im Unterschied zum Wortgottesdienst). Um bei den Seinen zu bleiben, wählt Jesus Brot und Wein zum Zeichen für Seinen Leib und Sein Blut, das heißt für sich selbst. In Seinem Auftrag feiert die Kirche seit von Anfang an an jedem Sonntag Eucharistie (ursprünglich „Brotbrechen“ genannt), um darin dem lebendigen Christus zu begegnen; in Seinem Geist verwandeln sich Brot und Wein in jeder Eucharistiefeier in Seinen Leib und Sein Blut: So wird Er den Seinen zur Speise.

Im Johannesevangelium (6,51-58) sagt Jesus: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot ißt, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, (ich gebe es hin) für das Leben der Welt.“ Da stritten sich die Juden und sagten: „Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?“ Jesus sagte zu ihnen: „Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht eßt und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank. Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich ißt, durch mich leben. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot ißt, wird leben in Ewigkeit.“

 

Exultet (auch: „Exsultet“) (das)

von lat. exultare = emporspringen, frohlocken

Erstes Wort (und damit auch Bezeichnung) des lateinischen Osterlobs (Segensgebet über die Osterkerze): „Frohlocket, ihr Chöre der Engel, frohlocket, ihr himmlischen Scharen ...“

 

Gottesdienst

lat.: officium, engl. service = Dienst

Oberbegriff für öffentliches, gemeinschaftliches Gebet. In allen Religionen und Konfessionen gibt es Gottesdienste.

Die katholische Liturgie besteht auch aus Gottesdiensten: hl. Messe, Vesper, Laudes (Stundengebet allgemein), Andachten.

Die hl. Messe als die höchste Form des katholischen Gottesdienstes sollte man nicht nur mit „Gottesdienst“ bezeichnen, weil damit nicht deutlich wird, daß sie sich von anderen Gottesdiensten ganz wesentlich abhebt. Sind alle anderen Gottesdienste – wenn auch im Geist Gottes – von Menschen eingeführt und entwickelt, so ist die hl. Messe Stiftung Gottes: Christus hat diese Feier eingesetzt und Seinen Aposteln den Auftrag gegeben: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ – und Er selbst wird in Brot und Wein leibhaft gegenwärtig. (→ Eucharistie, Messe, heilige)

 

Hochgebet, eucharistisches

Das große Gebet in der Sinnmitte der Meßfeier, das mit der Präfation beginnt. Es folgt das Sanctus – das Dreimalheilig, mit dem wir in den Gesang der Engel an Gottes Thron einstimmen, und der Kanon, der mit der Doxologie „Durch Ihn und mit Ihm und in Ihm ...“ vor dem Vaterunser endet. In der Mitte des Hochgebets wiederum stehen die Worte Jesu aus dem Abendmahlssaal: Die Wandlung.

 

Hostie
Von lat. Hostia = Opfergabe

Brot, das für die Feier der hl. Messe gebraucht wird. Man spricht zur Unterscheidung von ungeweihten/nicht konsekrierten und geweihten/konsekrierten Hostien.

 

Inzens (die)/inzensieren

von lat. incendere = anzünden

Beweihräucherung; Schwenken des Weihrauchfasses, um den Weihrauch zu der zu verehrenden Person oder Gegenstand zu bewegen. Man spricht auch nicht ganz richtig vom „Inzens Einlegen“.

 

Kanon (der)

Von lat. canon = Regel

Der Teil des Hochgebets nach dem Sanctus. Bis 1970 gab es nur einen – den heutigen Ersten oder Römischen) Kanon, was den Namen erklärt: So betet man eben, und nicht anders. Heute haben wir vier klassische Kanones, die weltweit gelten (im „Gotteslob“ unter der irreführenden Bezeichnung Eucharistisches Hochgebet unter den Nummern 360, 4-7 (II. Kanon) und 367-369) und einige weitere für den deutschen Sprachraum: das Hochgebet der Versöhnung, ein Hochgebet für besondere Anliegen,  drei Kinderhochgebete und eines für Gehörlose. Sie alle beinhalten eine Erinnerung an die Güte Gottes, die Worte Jesu von der Einsetzung der Eucharistie (NEHMET UND ESSET ..., NEHMET UND TRINKET ..., TUT DIES ZU MEINEM GEDÄCHTNIS), die bitte um die Einheit der Kirche in Christus durch den Empfang der hl. Kommunion, die Fürbitte für die Kirche, für alle Lebenden und für  die Verstorbenen.

 

Kasel (die)

von lat. casula = Häuschen

Meßgewand des Bischofs und des Priesters

 

 

 

Katechúmenen (-öl)

von gr.: katechuménos = der zu Unterrichtende, der Schüler

Taufbewerber. Vor der Taufe werden die Täuflinge mit dem Katechumenenöl (→ Chrisam) gesalbt, um Gott darum zu bitten, daß Er sie auf dem Weg zur Taufe und darüber hinaus vor dem Bösen bewahre.

 

Kelch

von lat. calix = Kelch, Becher

Gefäß aus edlem Material (Gold, Silber) zur Aufnahme des Weines, der bei der Wandlung zum Blut Christi wird.

 

Kollekte

von lat. colligere = sammeln

Sammlung der Gaben des Volkes für die Armen.

Kollekte ist auch die Bezeichnung für das Tagesgebet, das nach dem „Lasset und beten“ und einer Stille die persönlichen Gebete der Gläubigen zusammenfaßt, also „sammelt“.

 

konsekrieren, konsekriert, Konsekration

von lat. consecrare = weihen, heiligen

Konsekrieren hat zwei – nahe miteinander verwandte – Bedeutungen:

1.)    Die Konsekration von Kirchengebäuden, Kelchen, Glocken o.ä. nimmt diese Gegenstände aus dem weltlichen Gebrauch und übereignet sie Gott bzw. dem ausschließlich gottesdienstlichen Gebrauch (Weihe als Übereignung, Übergabe, Geschenk an Gott)

2.)    Die Konsekration von Brot und Wein in der hl. Messe und die von Christen zu Diakonen, Priestern und Bischöfen verändert etwas im Inneren: Brot ist nun Leib Christi, der zum Priester Geweihte hat nun Auftrag und Vollmacht Christi zur Zelebration der hl. Messe (Wandlungsvollmacht) und zur Vergebung der Sünden (Absolutionsvollmacht). Hinter dem Sichtbaren hat Gott die unsichtbare Wirklichkeit verwandelt.

Korporale (das)
Von lat. Corpus = Leib; corporale = das zum Leib Gehörende

„Leibtuch“, quadratisches, in neun Felder gefaltetes Tuch, auf dem Kelch und Patene/Hostienschale stehen. Es ist so zu falten, daß keine → Partikel vom Leib des Herrn herunterfallen können.

 

Kredenz (die)

von lat/it: credere = ursprünglich „vertrauen“, dann auch „etwas anvertrauen“, also „geben“, so kommt es zum „Gabentisch“. Vgl. das Verb „kredenzen“ für feierlich servieren.

Anrichte, Gabentisch (früher allgemein, heute fast nur noch in der Liturgie)

 

Lavabo (das)

Liturgische Handwaschung des Priesters am Ende der Gabenbereitung, die den Namen vom ersten Wort des Gebetes erhalten hat, das der Priester dabei früher gebetet hat, nämlich den Psalm 25,6-12: „Lavabo inter innocentes manus meas ... / Waschen will ich meine Hände in Unschuld... .“ Heute betet er: „Lava me, Domine, ab iniquitate mea, et a peccato meo munda me / Herr, wasche ab meine Schuld, von meinen Sünden mache mich rein.“

 

Lavabogerät, Lavabotuch

Kanne, Schale und Handtuch für das → Lavabo.

 

Liturgie

von gr. leitos ergon = öffentliches Tun

offizieller und öffentlicher → Gottesdienst der Kirche

 

Mensa (die)

von lat. mensa = Tisch

oberer Teil, Tischplatte des Altares

 

Ministrant/Ministrieren

von lat. ministrare = dienen, ministrans = Dienender

Christen, die stellvertretend für die ganze Gemeinde in der Liturgie einen besonderen Dienst am Altar verrichten.

 

Monstranz

von lat. monstrare = zeigen

Gefäß zur Aufnahme und zum Zeigen des Allerheiligsten. In der Regel turm- oder sonnenartiger Aufbau, in der Mitte Glas, hinter dem die konsekrierte Hostie von der „Lunula“ („Möndchen“) gehalten wird. Das Allerheiligste wird an Fronleichnam und andern Sakramentsprozessionen in der Monstranz getragen, zum sakramentalen Segen und zur Anbetung in ihr ausgesetzt (exponiert).

 

Palla (die)

lat.: Obergewand, Vorhang

Platte zur Abdeckung des Kelches, um zu verhindern, daß Schmutz hineinfällt; ursprünglich wurde eine Ecke des → Korporale über den Kelch gelegt, dann ein zweites Korporale, das nicht auseinandergefaltet wurde, daraus entstand die Palla.

 

Paraménte (Sg.: das Parament)

von lat. parare = bereiten und mens = Geist

Kleidung für die Liturgie – in erster Linie für Bischof, Priester, Diakone, Kantor, Lektoren, Kommunionhelfer, Ministranten, theoretisch für alle denkbar. Auch Stoffe zum Schmuck des Altars u.ä. („Antependien“) werden Paramente genannt.

 

Partikel (die)

von lat. pars, diminutiv: particula Teilchen

„Krümel“ des Allerheiligsten, die wie eine ganze Hostie der Leib des Herrn sind, denen deshalb besondere Aufmerksamkeit gebührt. Daher werden Hostienschale und Kelch auf dem Altar und dem darauf liegenden Korporale purifiziert.

 

Patene (die)

von gr.-lat patena = Futterkrippe

Kleiner, in der Regel goldener, schlichter Teller für die große Hostie (sog. „Priester-“ oder „Zeigehostie“). Früher wurden die Hostien für die Gläubigen in großen Mengen und dann für viele Messen konsekriert (d.h. in den Leib Christi gewandelt) und aus einem großen → Ziborium aus dem Tabernakel ausgeteilt. Daher brauchte man für die meisten Messen nur eine Hostie. Heute nur noch selten, meist in Meßfeiern mit zwei oder frei Gläubigen im Gebrauch.

Der Name weist darauf hin, daß die Patene der Platz für Christus ist, so wie es die Krippe bei Seiner Geburt war; daß auch ihr Gold nur Armut ist für den Sohn Gottes, und daß der Leib Christi unsere Speise ist.

 

Pluviale (das)

lat. =Regenmantel

Mantel für Bischof, Priester und Diakon, aber auch für andere liturgische Dienste (z.B. Kantor) außerhalb der hl. Messe, z.B. zum Stundengebet, zu Andachten, zu Prozessionen. Das Pluviale ist wohl ursprünglich dasselbe Kleidungsstück wie die Kasel, was man sich denken kann, wenn man sich das Pluviale vorne geschlossen vorstellt. Die Kasel hat sich im Laufe der Zeit seitlich auf Armlänge verkürzt.

 

Portal

von lat. porta (vgl. dt. Pforte)=

(Kirchen-)Tür

 

Publicandum (das)

von lat. publicus = öffentlich, publicare = veröffentlichen

Bedeutung: „Das zu Veröffentlichende“ = Bekanntmachungen

Ankündigung von Ereignissen und Veranstaltungen, die für das Leben der Gemeinde von Bedeutung sind.

 

Purifikation/purifizieren

(lat.) „Reinigung“ von Kelch und Patene/Hostienschale nach der Kommunion, damit nichts vom Leib und Blut Christi darinbleibt.

 

Rauchmantel (→ Pluviale)

 

Reverenz (die)

von lat. revereor = scheuen, ehren, hochachten

Verehrung durch Zeichen: Verneigung/Niederwerfen, Kniebeuge, Kuß.

 

Rochett (das)

aus dem Althochdeutschen roccus (Rock) unter gleicher Bedeutung in das Französische gelangt

Weißes Gewand der Ministranten und der Geweihten (Chorkleidung), verkürzte Form der Albe, also ein Taufkleid.

 

Sakrament (das)

Sieben Zeichen der Gegenwart Gottes, die alle entweder unmittelbar von Christus (Taufe, Eucharistie) oder von Ihm durch die Kirche (Firmung, Weihe, Ehe, Buße, Krankensalbung) eingesetzt worden sind. In den Sakramenten begegnet uns Christus ganz sicher – selbst wenn der Empfänger nicht daran glaubt – weil Er sich daran freiwillig gebunden hat. Damit will Er bei uns sein und bleiben und auch in Zeiten von Schwierigkeiten und Glaubenszweifel uns Seine Nähe spürbar und leibhaftig schenken. Zu jedem Sakrament gehört ein Element, z. B. Wasser oder Brot und Wein, und ein wirkkräftiges Wort eines von der Kirche bestellten Spenders, z.B. „Ich taufe dich im Namen des Vaters ...“ oder das Hochgebet mit den Einsetzungsworten: „Kommt das Wort zum Element, wird daraus das Sakrament.“

 

sakramental

Bedeutet: „eines der sieben Sakramente betreffend“, häufig meint man damit die Eucharistie (wie bei → Sakramentaler Segen, Sakramentsprozession)

 

Sakramentaler Segen

Segen am Ende der Sonntagsvesper, am Herz-Jesu-Freitag (erster Freitag im Monat), am Ende der Fronleichnams- und anderer Sakramentsprozessionen und zu anderen festlichen Anlässen (Wallfahrtsabschluß, Jahresende ...), der mit dem →Allerheiligsten (in der →Monstranz oder im →Ziborium) gespendet wird.

 

 

Schiffchen

Gefäß zur Aufbewahrung der Weihrauchkörner; hat seinen Namen von der Form. (→Thurifer)

 

Stola

Entstanden aus dem jüdischen Gebetsschal Tallith, der für die Rabbiner schmaler war. Die Stola wird gesehen als das leichte Joch Christi, also die Verbindung mit Ihm im Gottes- und Menschendienst, in dem Er uns nahe ist und stärkt.

Die Stola ist das Amtszeichen des Priesters. Wenn der Priester die Stola umlegt, handelt er im Namen Christi und der Kirche – das ist Sein Beruf, seine Berufung. Von daher gab es früher (und gibt es heute immer noch da, wo es keine Kirchensteuer gibt) für die priesterlichen Dienste sogenannte „Stolgebühren“, das heißt Geld, das man dem Priester für seinen Dienst gibt, für den die Stola das Zeichen ist.

 

Stundengebet

Auch „Brevier“ genanntes, zu verschiedenen Tageszeiten („Stunden“/Horen) verrichtetes Gebet der Kirche. Im Prinzip betet man zu den Wendepunkten des Tages: wenigstens Abends (Vesper) und Morgens (Laudes), dann aber auch zum Beginn der Nacht (Komplet), in der Nacht (Vigil/Lesehore) vor dem Arbeitsbeginn (Terz) vor dem Mittagessen (Sext) nach dem Mittagessen/zu Beginn des Nachmittags (Non). Heute beten die Priester – zusätzlich zur hl. Messe – fünfmal am Tag: Vesper, Komplet, Vigil, Laudes, Terz oder Sext oder Non. Seit vielen Jahren beten mehr und mehr Christen diese schönen und alten Gebete, deren Mitte die Psalmen aus der Bibel sind. Das wird von der Kirche auch gewünscht.

 

Sukzession, apostolische (→ apostolisch)

 

Talar

von lat. talus = Knöchel, Ferse, talarius = in (knöchel-)langem Gewande

Knöchellanges, schwarzes, rotes, grünes oder violettes Gewand, verwandt mit der Soutane der Kleriker. Für Meßdiener das Untergewand für das Rochett. Die Farben richten sich entweder nach der liturgischen Farbe des Meßgewandes (weiß = schwarz) oder nach dem „Dienstgrad“.

 

Thurifer

von gr./lat. thus = Rauch und lat. ferre = tragen

Der oder die Meßdiener mit Weihrauchfaß und -schiffchen. Außerhalb Deutschland übernimmt in der Regel ein einzelner Meßdiener diesen Dienst. In Deutschland sind es meist zwei. Den Träger des →Schiffchens kann man, wenn man es ganz genau nehmen will, Navicular (von lat. navis = Schiff) nennen.

 

Velum

lat. = „Segel“

bezeichnet das runde Tuch zur Verhüllung des →Ziboriums oder des Kelches (Kelchvelum) und das schalähnliche Tuch, das der Priester/Diakon bei der Sakramentsprozession oder zum sakramentalen Segen trägt, wenn er das →Allerheiligste anfaßt (Schulter- oder Segensvelum). Es dient der Ehrfurcht und soll bewußt machen, daß sich hier Gott selbst buchstäblich in unsere Hände gibt.

 

Vesper

von lat. vespera = Abend

Teil des →Stundengebets, nach der hl. Messe die wichtigste Form des christlichen Gottesdienstes. Die Vesper ist das kirchliche Abendgebet, das täglich gebetet wird (Kleriker sind dazu verpflichtet, allen anderen Christen ist das Stundengebet – wenigstens Vesper und Laudes –  empfohlen). An Sonntagen wird zum Abschluß der Vesper als Dank und Erinnerung an das Geschenk der →Eucharistie, die man am morgen empfangen hat, am Ende der Vesper das →Allerheiligste auf dem Altar ausgesetzt und angebetet und am Schluß der →sakramentale Segen gegeben.

 

Wandlung

Verwandlung des Brotes in den Leib und des Weines in das Blut Christi. Dies geschieht, wenn der Priester im Hochgebet die Worte Jesu aus dem Abendmahlssaal spricht: „Das ist mein Leib ..., Das ist ... mein Blut ... .“

 

Zelebration, zelebrieren

von lat. celebrare = „zahlreich begehen“

Der Vollzug einer festlichen, gemeinsam begangenen Handlung, im kirchlichen Sinne die Feier der hl. Messe und zwar in Bezug auf diejenigen, die es tun: Der vorstehende Priester wird „(Haupt-) Zelebrant“ die andern Priester „Konzelebranten“ genannt. Dieser Sprachgebrauch ist nicht ganz richtig: Auch die Gläubigen „konzelebrieren“ die Messe: Sie feiern mit dem Priester und der ganzen Kirche.

 

Zeremoniar

In feierlichen Liturgie derjenige, der auf den richtigen und würdigen Ablauf der „Zeremonien“ (=feierliche Handlung) achtet.

 

Ziborium

von lat. cibus = Speise

Gefäß für das →Allerheiligste, meist als großer Speisekelch gestaltet, mit Deckel und →Velum (Tuch zur Verhüllung) versehen.

 


 [SR1]